Vor einer Woche bin ich noch den Anstieg über den höchsten Punkt (1290 m ü NN) der Radstrecke in
kurz/kurz geradelt. Bei der Anfahrt war doch noch Sommer. Beim Frühstück schauen wir auf die Bergkette
gegenüber, die langsam weisse Kappen bekommt: Schnee! Der Wind frischt auf, der See kriegt die ersten Schaumkrönchen, Bf4.

Bild 1: Filzensattel 1290m, am Sonntag davor

Das berührt mich wenig, da ich das Schwimmen abgewählt habe. Ende Juli hat sich mein ISG
entzündet, zehn Tage hab‘ ich mehr oder weniger flach auf dem Rücken liegend verbracht, sämtliche Ratschläge von Verwandten und Bekannten brachten nichts. Der Arzt verschrieb Schmerzmittel und Physiotherapie. Physio1: “selbstverständlich machen wir gerne einen Termin, passt Ihnen der 5. Oktober?“ Physio2 ist bis September im Urlaub, Physio3: “ wir rufen zurück“ - nie. Rettung bringt das zertifizierte Physiotherapie-Patenkind nachts um 22Uhr: ein kurzes Video mit Übungen. Die dann auch helfen, trotzdem Fitness runter, Gewicht rauf. Nach drei Wochen der erste lockere Lauf. Noch sieben Trainingseinheiten bis zum Rennen – keine Schwimmtrainings mehr möglich.

Auf dem Weg zum Start kommen uns die ersten ausgecheckten Athleten entgegen. Um 11 Uhr ist Schwimmstart,
wir BikeAndRun werden erst nach zwölf Uhr ins Rennen geschickt.

Bild 2: ich, ganz rechts - die wasserdichte Orange

Temperaturen beim Start: Luft ca. 10°C, Wasser 18°C. Der Veranstalter hat Neo-PFLICHT vorgegeben. Der Regen
hält an, ich trage inzwischen 5 Schichten und wie viele der Neopren gekleideten Starter, eine Rettungsfolie, um
mich warm zu halten.

Unerwartet stoppt der Regen nach dem Start der Profis.

Die Wechselzone ist einfach aufgebaut, keine Racks, alle Beutel beim Rad, umziehen am Rad.

Ich beschliesse mit Regenüberschuhen, Armlingen, Buff und der Vereins-Skinfit zu starten. Lange Handschuhe und Regenjacke kommen ins Trikot. Die Radstrecke führt zuerst im Tal entlang der Salzach: rund 22km leicht bergab, dann beginnt der Anstieg mit 0%-14% Steigung aber gut fahrbar. Teilweise sogar sonnig.

Zum Gipfel ein 3km langer Aufstieg mit bis zu 17% Steigung auf der man schiebende und Zick-Zack fahrende Athleten sieht. Ich brauche dafür rund 23 Minuten, Puls ist dabei tiefrot. Die Abfahrt ist grossteils trocken, ich erlaube mir etwa ein Dutzend Langsamere zu überholen. 20 Jahre Motorradfahren zahlt sich aus!

Normalisierung des Pulses ist angesagt. Es beginnt sich ein Grüppchen zu bilden mit Fahrern und Fahrerrinnen, die bis in die Wechselzone umeinander kreisen. Es bleiben 40km leicht hügelig zu bewältigen. Bei km 67 bläst noch für 6km Gegenwind, ab dem Wendepunkt treibt er uns dafür umso mehr an.

Bild 3: die sich umkreisende Gruppe

In der Wechselzone verbringe ich über 10 Minuten, wechsle Socken, Schuhe und T-Shirt. Ich entscheide, so wenig wie möglich zu tragen, weil der Regen alles nur schwer machen würde. Allerdings ist es nach wie vor trocken.

Es ist zwar eher kalt, aber laufen geht doch immer.

Der Laufkurs: rund 3km bis zum Hotel, wo die Schwimmtrainerin anfeuert, abbiegen durch die Innenstadt. Zweimal noch dem See entlang auf die andere Seite und zurück. Auf der dem letzten Abschnitt beginnts zu regnen. Der Puls bestimmt das Tempo. Mental eine einfache Strecke, bin ich sie doch zweimal bereits morgens abgelaufen.

Viele rufende, anfeuernde Zuschauer an der Radstrecke, in Zell am See sowieso. Der Zieleinlauf wie früher: laute, klatschende, rufende Begeisterung.

Direkt nach dem Zieleinlauf die Medaille und wieder wie am morgen: eine Rettungsdecke umgehängt.

Resultat gemäss dem Leitspruch: safety, enjoy, finish....

Und Altersklasse Erster! Und Einziger.





P.S.: am Dienstag reisen wir verfrüht ab: es regnet immer noch.
P.S. Zahlen: publizierte Anzahl Starter 2700, klassiert ca. 1125 plus 28 Staffeln.

BikeAndRun gemeldet 41, klassiert 19.

Auf Wiedersehen am 28.08.2022?

Bild 4: noch 50m bis zum Ziel